Triumphe und Enttäuschungen in 2023

Dez 31, 2023

Das waren die sieben prägendsten Sport-Momente in Berlin und Brandenburg.

Ein Weltrekord, zwei Abstiege und ein Großereignis der besonderen Art: Diese und andere sportliche Momente bewegten Berlin und Brandenburg 2023. Einige von ihnen könnten Vorzeichen auf weitere Highlights im anstehenden Jahr sein.

Medaillen für Berliner bei Eishockey- und Basketball-WM

Sowohl im Eishockey als auch auch im Basketball fanden 2023 Weltmeisterschaften statt. Bei beiden Turnieren waren die deutschen Mannschaften erfolgreich – und mit ihnen auch Berliner. Den Start machten im Mai Deutschlands Eishockey-Spieler. Das Team von Bundestrainer Harold Kreis mit den Berliner Spielern Marcel Noebels, Jonas Müller, Manuel Wiederer sowie Torwarttrainer Sebastian Elwing von den Eisbären spielte sich in Riga sensationell bis ins Finale. Im Halbfinale bezwang die Mannschaft einen der großen Favoriten, die USA. Erst im Endspiel musste sich die DEB-Auswahl gegen Rekordweltmeister Kanada geschlagen geben. Dennoch war es ein historischer Triumph für Elwing, Wiederer, Müller, Noebels und Co.: Für Deutschland war es die erste Medaille bei einer Eishockey-WM seit 70 Jahren.

Ähnlich geschichtsträchtig spielten im Sommer Deutschlands Basketballer. Die DBB-Mannschaft, in der mit Johannes Thiemann, Niels Giffey, Maodo Lo und den Brüdern Moritz und Franz Wagner gleich fünf Berliner standen, feierte nach einem berauschenden Turnier und einem Sieg im Finale gegen Serbien völlig überraschend die Goldmedaille. Im Halbfinale hatte das Team von Trainer Gordon Herbert dank einer überragenden Leistung Topfavorit USA besiegt.

Thiemann, Giffey, Lo und die Wagner-Brüder sorgten gemeinsam mit ihren Mannschaftskollegen nicht nur in ihrer Berliner Heimat für einen Basketball-Hype. „Es ist ein bisschen überwältigend, man muss es etwas sacken lassen, aber heute realisieren wir, wie viele Menschen wir damit abgeholt haben“, sagte NBA-Profi Moritz Wagner nach der Ankunft in Berlin.

Union Berlin erreicht die Champions League

Nach den erfolgreichen Saisons der letzten Jahre von Union Berlin erreichten die Köpenicker zum Ende der vergangenen Spielzeit noch einmal einen neuen sportlichen Höhepunkt. Das Team von Urs Fischer qualifizierte sich für die Champions Leauge und damit für den höchsten Wettbewerb im europäischen Vereinsfußball. Für die Partien gegen die SSC Neapel, Sporting Braga und Real Madrid zog Union Berlin ein weiteres Mal für einen europäischen Wettbewerb ins Olympiastadion.

Für die Fans war die Champions League das nächste große Abenteuer in für Union berauschenden Jahren. Rein sportlich kamen die Eisernen mit der außergewöhnlichen Mehrfachbelastung aber nicht zurecht. Eine lange Negativserie sorgte gar dafür, dass sich der Klub von seinem langjährigen Erfolgstrainer Urs Fischer trennte. Nenad Bjelica übernahm und soll den Verein nun zurück in die Spur bringen.

Hertha BSC und Turbine Potsdam steigen aus der Bundesliga ab

Negative Momente erlebten Hertha BSC und Turbine Potsdam. Beide Mannschaften stiegen aus der Fußball-Bundesliga ab. Für die Brandenburger Fußballerinnen war es ein historischer Abstieg. Das ehemalige Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs konnte schon seit Jahren nicht mehr an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen, der Abstieg aus der ersten Liga bedeutete aber einen neuen Tiefpunkt.

„Die Katastrophe ist nicht über Nacht gekommen“, kommentierte rbb-Sportreporter Lars Becker den Abstieg damals. Die Potsdamerinnen arrangierten sich nur unzureichend mit dem sich wandelnden Frauenfußball-Geschäft und konnten sich so nicht mehr in der Bundesliga halten. Ob der Sprung zurück ins Oberhaus gelingt, bleibt abzuwarten. Aktuell belegt Turbine in der zweiten Liga den zweiten Rang.

Für Hertha BSC ist die zweite Bundesliga zwar nicht gänzlich neu, bitter war der Abstieg aber dennoch. Er besiegelte das endgültige Ende der größenwahnsinnigen Windhorst-Jahre und bietet Hertha nun die Möglichkeit für einen Neuanfang. Mit dem „Berliner Weg“ und Funktionären mit „Stallgeruch“ soll der Verein wirtschaftlich und sportlich stabilisiert werden. Der Start dafür ist durchaus gelungen. Eine junge Mannschaft sorgte in der Hinrunde der neuen Saison erstmals seit Jahren wieder für Begeisterung und Aufbruchstimmung rund um Hertha BSC.

Para-Schwimmerin Elena Semechin holt WM-Gold

Para-Schwimmerin Elena Semechin beendete 2023 ihre persönliche Krankengeschichte der vergangenen Jahre – und das auf bewundernswerte Art und Weise. Nur sechs Monate nach Beendigung einer Chemotherapie, die sie wegen eines Hirntumors auf sich nehmen musste, schwamm die Berlinerin bei den Weltmeisterschaften über 100 Meter Brust im August zu Gold.

„Ob ich überhaupt bei der WM antreten würde, glich einer Überraschungstüte. Nach dem Erfolg war klar, wir sind auf einem guten Weg, mit einem guten System. Deshalb hoffe ich, dass es auch bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris klappt“, blickte die 30-Jährige schon damals selbstbewusst auf das neue Jahr.

Special Olympics begeistern Berlin

Das bewegendste Großereignis im abgelaufenen Jahr waren sicherlich die Special Olympics in Berlin. 6.500 Athleten trafen sich zum größten Event der Welt für geistig beeinträchtigte Sportlerinnen und Sportler in der Hauptstadt. 18.000 freiwillige Helfer unterstützten die Sportler und eine beispiellose Medienallianz bestehend aus zahlreichen TV-Sendern, darunter der rbb, bildete das Event ab.

Die Special Olympics bewegten viele Berlinerinnen und Berliner, die in der Stadt an verschiedenen Stellen auf die Athleten trafen. „Es kommt jetzt darauf an, dass das Ganze nicht im Nirwana verschwindet. Dass die Medien am Ball bleiben, dass seitens der Politik Veränderungen auf den Weg gebracht werden, damit zum Beispiel ein breiteres Spektrum an Sport- und Fitnessangeboten bereitgestellt werden kann“, appellierte die Potsdamer Hockeytrainerin Norma Rettich zum Ende der Spiele.

Marathon-Weltrekord in Berlin

Der Berlin-Marathon sorgte 2023 mal wieder für einen Weltrekord – diesmal bei den Frauen. Die Äthiopierin Tigst Assefa stürmte am Brandenburger Tor nach sensationellen 2:11:53 Stunden ins Ziel und durfte sich über eine neue Bestzeit freuen. Doch es blieb nicht der einzige Rekord des Tages: Mit 48.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewegten sich so viele Läufer wie noch nie zuvor beim Marathon durch Berlin.

Makkabi Berlin schreibt DFB-Pokal-Geschichte

Für Makkabi Berlin war 2023 nicht nur wegen des Gewinns des Landespokals außergewöhnlich. Der Erfolg berechtigte die Berliner zur Teilnahme am DFB-Pokal – als erster jüdischer Verein in Deutschland überhaupt. Zwar ging die Partie gegen Bundesligist VFL Wolfsburg deutlich verloren, das Spiel wird im Verein aber dennoch lange in Erinnerung bleiben.

„Als wir hier den Sieg gefeiert haben, war die Freude riesengroß, gestandene Männer haben geweint“, sagte Sportvorstand Michael Koblenz nach dem Sieg im Landespokal. „Da hat noch keiner überblickt, was das für den Verein nicht nur historisch, sondern auch organisatorisch bedeutet.“ Bei bestem Wetter fanden schließlich Tausende Zuschauer den Weg ins Mommsenstadion und bereiteten dem besonderen Spiel einen außergewöhnlichen Rahmen.

Redakteur: Dirk Thomas Meerkamp (Chefredakteur)

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