Eisbären Berlin

Jan 3, 2024

Eisbären Berlin verewigen Torhüter Rob Zepp unter dem Hallendach.

Viele Spieler haben die Eisbären Berlin geprägt. Doch nur fünf von ihnen wurde bisher die Ehre zu teil, ihre Nummer an der Decke der Halle zu verewigen. Mit Rob Zepp wurde nun der erste Torhüter in die exklusive Runde aufgenommen.

19, 11, 27, 20, 14 und jetzt die 72. Was nach Lotto-Zahlen klingt, sind legendäre Nummern des Berliner Eishockeys. Nach Mark Beaufait, Sven Felski, Steve Walker, Denis Pederson und Stefan Ustorf haben die Eisbären Berlin nun Torhüter Rob Zepp mit seiner Nummer unter dem Hallendach verewigt. „Einmal Berliner immer Berliner“ tönte es, als Zepps Banner am Dienstagabend in der Arena am Ostbahnhof emporschwebte. Im Rahmen des 4:2-Erfolgs in der DEL gegen Düsseldorf ehrten die Berliner den mittlerweile 42 Jahre alten Deutsch-Kanadiers, der für sie von 2007 bis 2014 im Tor gestanden hatte.

„Es hat sich fast nicht real angefühlt. Ich bin natürlich unfassbar stolz, aber auch sehr demütig. Es ist die größte Auszeichnung, die ein Klub einem Athleten geben kann“, sagte Zepp nach der Zeremonie, die bei ihm Gänsehaut verursacht habe. Als sich der in Kanada geborene und aufgewachsene Zepp 2007 den Eisbären anschloss, war er für die deutschen Fans eher ein Unbekannter. In Nordamerika hatte er sich nicht durchsetzen können und spielte vor seinem Wechsel nach Berlin in Finnland.

Doch die Eisbären-Fans und der Torhüter wurden schnell miteinander warm. „Es war eine wunderbare Zeit mit Rob Zepp. Dass er jetzt erst so spät unters Hallendach kommt, verwundert uns zwar, aber er hat es auf alle Fälle verdient“, sagt ein Fan am Rande des Spiels.

Besondere Meisterschaftsmomente

Auch Zepps langjähriger Teamkollege André Rankel schaute zu, wie die Nummer seines guten Freundes verewigt wurde: „Für mich klar der Beste. Absolut verdient. Wir haben fünf Meisterschaften mit ihm gewonnen und die haben wir auch zum Großteil ihm zu verdanken.“ Denn Rob Zepp war als Goalie zwar nie der Beste in den Statistiken, blühte aber in den wirklich wichtigen Spielen auf. „Wir waren zwar immer eine offensiv starke Mannschaft, aber er war immer da, wenn wir ihn gebraucht haben“, so Rankel, der ehemalige Eisbären-Kapitän und heutige Assistenztrainer.

Zepp ließ es sich nicht nehmen, Rankel in seiner Rede mit eigenen Dankesworten zu bedenken. Schließlich war der bei den großen Karrieremomenten des Goalies stets an dessen Seite. Da wäre beispielsweise das Finalspiel in der Saison 2007/08, an das sich Zepp gerne erinnert, als Florian Busch in der Verlängerung das entscheidende Tor bei den Kölner Haien machte: „Das war die erste Meisterschaft, die ich gewonnen habe, seit ich sieben Jahre alt war. Es ist schwer dieses Gefühl zu wiederholen.“ Oder die gedrehte Meisterschaft in der Saison 2011/12: „Ein ähnliches Gefühl hatte ich in Mannheim, als wir im vierten Finalspiel dabei waren, 2:5 zu verlieren und noch acht Minuten auf der Uhr hatten. Und dann haben wir das Spiel gedreht und sind in Berlin Meister geworden.“

Hörgeräte wegen Berliner Fans

Die letzten Worte seiner Dankesrede richtete Rob Zepp aber an die Berliner Fans und wechselte dafür von Englisch auf Deutsch: „Es ist schwer jemandem in Nordamerika die unglaubliche Stimmung zu beschreiben, die ihr erzeugt. Das war eine einmalige Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass ich deswegen Hörgeräte brauchen werde, wenn ich älter bin.“

Dafür erntete er nicht nur ein kollektives Lachen, sondern auch ein Gebrüll, das seine letzten Worte nochmal bekräftigte. Was Zepp während seiner aktiven Zeit in Berlin immer verwehrt blieb, konnte er beim Sieg der Eisbären gegen Düsseldorf am Dienstag nachholen: einen Abstecher in den Fanblock. „Sie haben mir das Megafon gegeben und gefragt, ob ich etwas sagen will. Das habe ich dann gemacht und alle sind durchgedreht“, so Zepp.

Die 72 verschwindet nicht vom Eis

Der 42-Jährige arbeitet inzwischen für die nordamerikanische Spielergewerkschaft NHLPA und hat ein Programm initiiert, das Profis dabei helfen soll, ein Berufsleben neben und nach der Zeit auf dem Eis aufzubauen: „Als ich meine aktive Karriere beendet habe, war es ein Privileg, dass ich dem Spiel verbunden bleiben durfte. Ich durfte als Kind meinen Traum auf dem Eis verwirklichen und das jetzt fühlt sich wie ein zweiter Traum an.“

Und auch wenn die Nummer 72 von den Eisbären nicht mehr vergeben wird, ist sie doch weiter aktiv. Während seiner Dankesrede verriet Zepp, dass inzwischen sein vierzehnjähriger Sohn Gavin in Kanada auch mit der 72 aufs Eis geht.

Redakteur: Dirk Thomas Meerkamp (Chefredakteur)

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